Reptilien Bestimmung von Reptilien   Schutz Gefährdung Quiz Links
Echsen Schildkröten Schlangen Literatur
Blindschleiche Zauneidechse  Waldeidechse Andere Kreuzotter  Schlingnatter Ringelnatter Andere   Impressum

>>>STARTSEITE  
Auf dieser Seite: Sicherung der Lebensräume Erfassen und Melden Reptilienschutz im Wald ... im Garten Weiterlesen

Schutz von Reptilien

Sympathieträger Krokodil. 
Foto Marina Blanke. 

Sympathieträger Krokodil

Alle heimischen Reptilien zählen zu den besonders geschützten Tierarten. Einige von ihnen sind zusätzlich streng geschützt. Zu diesen streng geschützten Arten zählen Schlingnatter, Äskulapnatter, Würfelnatter, Aspisviper, Zauneidechse, Mauereidechse, beide Smaragdeidechsen-Arten und die Europäische Sumpfschildkröte.

Sicherung der Lebensräume

Da Reptilien vor allem durch Verluste und Entwertungen ihrer Lebensräume bedroht werden, stellt deren Sicherung den Schlüssel zum Reptilienschutz dar.
Die Lebensräume bestehender Populationen sollten daher gesichert werden, wünschenswert sind auch Maßnahmen zur Vergrößerung bestehender Lebensräume und die Entwicklung von Habitatverbundsystemen.

Keine Angst vor wilden Schlangen.
Kurzvideo (38 Sek.) einer juvenilen Kreuzotter aus Northumberland, UK. © Thomas Duncan Bradley

Reptilien bewohnen häufig Biotopkomplexe oder Übergangsbereiche zwischen verschiedenen Biotopen. Daher sollten weitere Zerschneidungen der Landschaft und Verluste von Saumbiotopen vermieden werden.
Die Eignung der verschiedener Lebensräume für Reptilien wird nicht zuletzt durch deren strukturelle Vielfalt bestimmt. Daher kommen Reptilien häufig an Standorten vor, die auf den ersten Blick nicht gerade hochwertig erscheinen, sondern vielmehr eher einen unordentlichen oder ungepflegten Eindruck erwecken (z. B. durch teilweise abgestorbene Vegetation oder herumliegendes Holz). So können Reptilien beispielsweise (!) immer wieder in bzw. auf folgenden Standorten beobachtet werden:

  • strukturreichen Übergängen zwischen Wald und Offenland
  • Offenland-Wald-Biotopkomplexen
  • reiferen Heideflächen
  • Waldlichtungen
  • verkusselten Moorrandbereichen
  • Randbereichen von Verkehrswegen
  • strukturreichen Hanglagen aller Art
  • Abbaugruben.
  • ...
  • ...
'Für Tiere verboten'
Reptilien leben nicht nur dort, wo sie „erwünscht“ sind.
Foto Ina Blanke.
Zur Sicherung dieser Lebensräume sollten daher folgende „Standard-Lebensraum-Vernichtungen“ unterbleiben:
  • Begradigung von strukturreichen Wald-Offenland-Übergängen
  • Aufforstungen auf Waldlichtungen, vor Waldrändern und auf „Ödland“-Restflächen.
  • Rekultivierungen von Abgrabungen, die zu einem Verlust von Sonderstandorten führen (z. B. durch Planieren, Auftrag von Mutterboden)
  • Maßnahmen, die zur Strukturverarmung der Landschaft führen
  • Anlage von Wegen und Straßen auf der Grenze zwischen verschiedenen Biotopen (z. B. direkt an Waldrändern)
  • Ausbau bisher unbefestigter Wirtschaftswege

Oftmals stehen die Belange des Reptilienschutzes anderen berechtigten Wünschen gegenüber (z. B. Landschaftspflege unter anderen Zielsetzungen, infrastrukturelle Maßnahmen), hier sollten Kriechtiere weitaus stärker als bisher in Abwägungen einbezogen werden.
Da sich Reptilienhabitate nicht anhand des Vorhandenseins oder Fehlens bestimmter Biotoptypen oder gefährdeter Pflanzenarten erkennen oder bewerten lassen, sind die Gewinnung und Weitergabe von Informationen zu ihrem Vorkommen ein überaus wichtiger Beitrag zum Reptilienschutz.

Erfassen und Melden

Die Grundlage für Schutzmaßnahmen und Schutzkonzepte sind möglichst detaillierte Informationen zum Vorkommen von Reptilien. Aufgrund ihrer heimlichen Lebensweise und perfekten Tarnung werden selbst große Bestände von Echsen und Schlangen leider viel zu oft übersehen.
Daher stellt die Erfassung von Kriechtieren einen wesentlichen Beitrag für deren Schutz dar - sofern die Beobachtungen Entscheidungsträgern zugänglich gemacht werden. In verschiedenen Ländern werden daher Beobachtungsdaten zentral gesammelt und ausgewertet. Eine laufend aktualisierte Liste der jeweiligen Ansprechpartner ist unter http://www.amphibienschutz.de/kontakte.htm zu finden.
Seitenanfang

Reptilienschutz im Wald

Kriechtiere sind nicht nur in großflächigen Kiefernforsten oder ausgedehnten Buchenwäldern, sondern vielen Waldgesellschaften zu finden. Reptilienschutz im Wald beinhaltet insbesondere die Erhaltung und Schaffung möglichst großer und gut besonnter Teilflächen.
Aufgrund waldgesetzlicher Regelungen können große Lichtungen bzw. Kahlschläge nicht mehr im Rahmen forstlicher Maßnahmen geschaffen werden. Aus anderen Gründen vorhandene oder entstehende Freiflächen wie Leitungstrassen gewinnen als sozusagen letzte Lichtungen eine große Bedeutung für den Reptilienschutz. Freiflächen und ihre Randbereiche sollten entsprechend erhalten, entwickelt und geschaffen werden.

Maßnahmen zum Reptilienschutz lassen sich gut in die Bewirtschaftung integrieren. Zur Schaffung möglichst großer besonnter Bereiche in Wäldern bieten sich Auflichtungen an ohnehin bestehenden Rändern und Freiflächen (Wege, Lagerplätze) sowie ineinander laufende Femel an. Vielfältig strukturierte äußere Waldränder bieten selbst dann, wenn sie im Norden der Wälder liegen, gute Lebensräume.

Neben möglichst breiten und gut strukturierten inneren und äußeren Waldrändern ist auch ein geschwungener Verlauf der Bestandsgrenzen wünschenswert. Auf diese Weise werden nicht nur die Randlinien verlängert, sondern gleichzeitig auch windgeschützte Buchten geschaffen. Liegendes Totholz und etwas aus der Vegetation herausragende Stümpfe schaffen Verstecke und Sonnenplätze. Reptilien profitieren von gut durchforsteten, da lichteren, Beständen.


Im Rahmen der Durchforstung geschaffener lichter innerer Waldrand in einem „Reptilienwald“.
Foto Ina Blanke.

Reptilienschutz im Garten

In entsprechenden Naturräumen sind Echsen und gelegentlich auch Schlangen in Hausgärten anzutreffen. Hier kann man versuchen, es den Tieren schön „wohnlich“ zu machen.
Nistkästen für Reptilien gibt es aber nicht. Schade eigentlich, gegen diese hätte vermutlich niemand etwas einzuwenden. Anders sieht es da leider oft bei reptilienfreundlichen Strukturelementen wie Gestrüpphaufen, liegenden Baumstämmen und ausfaulenden Wurzeltellern aus. Diese sehen zwar nicht gerade ordentlich aus, bieten aber wichtige Sonnen- und Versteckplätze.
Generell ist eine möglichst große Vielfalt gewünscht: Kurzgemähter Rasen neben der Blumenwiese, altmodische Komposthaufen, Hecken und Sträucher.
Willkommen in trockenen Zeiten sind Trinkgelegenheiten in Form von Teichen, Pfützen oder eigens angebotenen Tränken.
Unterirdische Verstecke für Kriechtiere werden von Mäusen angelegt, aber vielleicht schafft hier auch gartenbauliche Experimentierfreude neue Quartiere (reich an Hohlräumen, mit guter Drainage und möglichst tief). Sand oder anderer gut grabbarer Rohboden wird von der Zauneidechse, verrottendes organisches Material von der Ringelnatter zur Eiablage genutzt. Sind im Garten entsprechende Eiablagemöglichkeiten und die genannten Tiere zu finden, sollten sich dort etwaige Gelege ungestört entwickeln können. Etwa von Mai bis August wäre es daher wünschenswert, Kompost- oder Misthaufen nicht umzuschichten und die Nutzer von Sandkisten möglichst anderweitig zu beschäftigen.

Entscheidend für Reptilien ist die Vielfalt der vorhandenen Strukturen und ein gutes Beuteangebot. Entsprechend verbietet sich die Anwendung von tiertötenden Mittel (Spritzmittel, Schlagfallen) für den reptilienfreundlichen Gärtner.
Ansonsten ist aber (fast) alles erlaubt; Eidechsen ergreifen keineswegs laut kreischend bzw. fauchend die Flucht, wenn eine nichtheimische Pflanze im Beet steht. In Norddeutschland sind Steine für Reptilien meist zu kalt, wer sich gerne quält – oder in wärmeren Gefilden wohnt oder gar etwas für Insekten tun will – kann auch Trockenmauern anlegen. Ansonsten lohnt es nicht, für Steine Geld auszugeben, Holz ist bei Kriechtieren viel beliebter. Ohnehin anfallende bzw. herumliegende Steine können allerdings als Steinhaufen oder größere „Einzelelemente“ ebenfalls zur strukturellen Vielfalt beitragen.

Das Aussetzen von irgendwo gefangenen Reptilien im eigenen Garten hat mit Naturschutz oder Tierliebe nichts zu tun. Sowohl das Fangen als auch das Aussetzen gebietsfremder Tiere sind im Übrigen strafbar.
Von der Habitatqualität des Gartens hängt es ebenso wie von der Bestandssituation in der Umgebung ab, ob ein Garten von Kriechtieren bewohnt wird. Daher sollte der Schutz der „übrigen“ Lebensräume nicht vergessen werden (s. o.).

Hier ist die kenntnisreiche und amüsante Broschüre „Reptiles in your garden - Your questions answered“ erhältlich.

Seitenanfang

Verwendete und weiterführende Literatur

Beebee, T. & R. Griffiths (2000): Amphibians and Reptiles. - London (HarperCollins).
Blanke, I. (2010): Die Zauneidechse. - Bielefeld (Laurenti).

Weitere Literatur