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Gefährdung von Kriechtieren

Bördelandschaft
  Bördelandschaft.
Foto Ina Blanke

 

 

Ursachen des Rückgangs

Reptilien werden erschlagen, überfahren und von natürlichen Feinden gefressen. Ursache für ihren rapiden Rückgang ist jedoch die weitreichende und anhaltende Vernichtung ihrer Lebensräume.
Da sie gewisse – aber eigentlich nicht hohe – Ansprüche an ihre Wohngebiete stellen und nur geringe Distanzen überwinden können, bedeutet ein Verlust von Lebensräumen (z. B. durch Überbauung) allzu oft den Verlust der dort zuvor lebenden Populationen. Dies gilt umso mehr, als dass Reptilien oftmals die letzten bewohnbaren Inseln in einer für sie lebensfeindlichen Landschaft besiedeln.
So ist beispielsweise das oben stehende Bild in unmittelbarer Nachbarschaft eines bedeutsamen Reptilienlebensraumes aufgenommen worden. Dass die Tiere wenige hundert Meter entfernt (trotz gleichen Klimas, Bodens usw.) nicht überleben könnten, sollte jedem klar sein. Durch die Isolation können neu entstehende Lebensräume oft nicht erreicht werden, auch der natürliche Austausch von Individuen verschiedener Populationen wird so unterbunden.
Teilweise sind auch die verbleibenden Lebensräume ihrerseits in einzelne Inseln – Teilhabitate – aufgespaltet und Tiere riskieren sozusagen beim Wechsel „vom Schlafzimmer zur Küche“ regelmäßig ihr Leben. Dieses Problem der Trennung von Teilhabitaten betrifft vor allem Schlangen, die typischerweise größere Räume beanspruchen und Biotopkomplexe (z. B. aus Wald, Teich und Wiese) bewohnen.
Insbesondere Schlangen nutzen so genannte Schlüsselhabitate wie Winterquartiere und die Paarungsplätze in großen Stückzahlen und oft über Generationen hinweg.
Entsprechend gravierend sind die Folgen bei deren Verlust; so kann mit einem Winterquartier von wenigen Quadratmetern möglicherweise der Schlangenbestand eines etliche Hektar großen Gebiets vernichtet werden.

Typische Rückzugsgebiete waren bis vor einigen Jahren ältere Brachen. Mit dem Wegfall von Brachen bzw. der Stilllegungsverpflichtungen der EU, dem hohen Flächenbedarf für die Massentierhaltung (Nachweisflächen für Gülle, Geflügelkot usw.) und dem Anbau von Energiepflanzen gehen und gingen diese flächenhaften Biotope nun in rasantem Tempo verloren. Gleichzeitig verschwinden sonnige Säume und Raine noch schneller als bisher. Diese Landschaftselement sind (bzw. waren) als Restlebensräume von Eidechsen und als verbindendes Element für zahlreiche weitere Arten von Bedeutung. Auch hier ist oft der Anbau von Energiepflanzen maßgeblich, denn dieser geht i. d. R einher mit raschen Fruchtfolgen (längere Beschattung durch Ackerpflanzen), hochwüchsige Züchtungen (z. B. Energiemais) und dem Einsatz schwerer Zugmaschinen mit sehr breiten Fahrspuren.

 

Auch die letzten Zentimeter und abgelegene Ecken werden genutzt. Gar kein Lebensraum mehr.

Foto Ina Blanke

Gleichzeitig verschwinden auch die Rückzugsgebiete von Offenlandarten in Wäldern. Die für Reptilien wichtigen Kahlschläge dürfen heute i. d. R. nicht mehr durchgeführt werden; neue Lebensräume entstehen durch die geregelte Forstwirtschaft daher nicht mehr. Bestehende Lichtungen werden vielfach aufgeforstet und unregelmäßige Waldränder durch weitere Aufforstungen begradigt und somit verkürzt. (Innere) Waldsäume verschwinden auch durch den Wegebau, der zusätzliche Barrieren schafft. Hinzu kommt die zunehmende Verdunklung der Waldböden durch Unterpfanzungen von Schattholzarten (z. B. Buchen in lichten Kiefernwäldern).

 

Aufforstungen statt riesiger Lichtungen. Die flächenhaften Lebensräume sind schon vernichtet. Mit weiterem Wachstum der Bäume bzw. zunehmender Beschattung werden auch die letzten Eidechsen, Blindschleichen und Schlangen von den noch vorhandenen Säumen (bzw. aus diesem Wald) verschwinden.

Foto Ina Blanke

Vielen Menschen sind die Schutzwürdigkeit und die Harmlosigkeit von Reptilien bekannt. Gleichwohl fallen noch immer Schlangen und auch Blindschleichen gezielter Verfolgung bzw. Schlangenfurcht und -hass zum Opfer. Schon der Verlust einzelner Individuen kann kleine Bestände nachhaltig schwächen bzw. gefährden. Dies gilt insbesondere dann, wenn es geschlechtsreife Weibchen trifft.

Zumindest einige Zerstörungen von Reptilienhabitaten würden vermutlich unterbleiben, wenn ihre Bestände bekannt wären. Dummerweise verraten Echsen und Schlangen ihre Anwesenheit nicht durch auffälliges Verhalten und lärmende Umtriebe. Für ihr Vorkommen sind Strukturen, nicht aber die Anwesenheit gefährdeter Pflanzenarten entscheidend. Entsprechend lässt sich aus anderen Erfassungen (z. B. der Flora) nicht auf die An- oder Abwesenheit von Kriechtieren schließen. Aufgrund der kurzen Aktivitätszeiten und ihrer perfekten Tarnung werden sie bei gezielter Nachsuche meist nur dann gefunden, wenn die Suchenden ganz genau wissen, wann und wo sie schauen müssen. Entsprechend häufig werden daher selbst bedeutende Reptilienbestände im Vorfeld von Eingriffen übersehen.

„Weggetarnte“ Zauneidechse
„Weggetarnte“ Zauneidechse.
Foto Ina Blanke.
Durch dieses Übersehen fallen dann der Umbruch von Säumen und Grünland, Gewässerbegradigungen, der Bau von Wochenendhäuschen, Torfabbau und Aufforstungen etc. noch leichter. Entsprechend wundert es nicht, dass selbst die vermeintlich noch häufigen Reptilienarten auf den Roten Listen zu finden sind.

Rote Listen

Rote Listen kategorisieren den Gefährdungsgrad von Arten und Lebensräumen in einem bestimmten Raum und zeitlichen Rahmen. Reptilien stellen die am stärksten gefährdete Wirbeltiergruppe in Deutschland dar. Dieser hohe Gefährdungsgrad zeigt sich auch in der Roten Liste von 2009 (Kühnel et al. 2009). Dies ist insofern bemerkenswert, als dass für die neuen Roten Listen neue Bewertungskriterien eingeführt wurden: Während in Vergangenheit die kurz- und langfristigen Bestandstrends (z. B. starker Rückgang) ausschlaggebend waren, ist heute vor allem die aktuelle Bestandssituation (z. B. häufig und weit verbreitet) entscheidend. Dies hat zur Folge, dass trotz anhaltender Rückgänge die Gefährdungseinstufung oft weniger dramatisch erscheint. Dies betrifft insbesondere noch vergleichsweise weit verbreitete Arten. Die Autoren der aktuellen Roten Liste (Kühnel et al. 2009) betonen, dass dies keinesfalls mit einer Verbesserung der Lage in freier Wildbahn verwechselt werden darf.

Trotz der hochgelegten Hürden gelten von insgesamt 13 Reptilienarten nur 2 als in Deutschland nicht gefährdet, 3 weitere werden auf der Vorwarnliste geführt. Diesen stehen 4 Arten gegenüber, die vom Aussterben bedroht sind, die übrigen zeigen unterschiedliche Gefährdungseinstufungen. Informationen zur Gefährdung der einzelnen Arten in Bund und Ländern sind zu finden unter http://www.amphibienschutz.de/schutz/artenschutz/roteliste/deutschland.htm.


Noch nicht auf Roten (und anderen) Listen, aber mit dramatischen Bestandseinbrüchen:
Die Cupcake-Snake. Foto Rob Ward.

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Verwendete Literatur

Kühnel, K.-D., A. Geiger, H. Laufer, R. Podloucky, & M. M. Schlüpmann (2009): Rote Liste und Gesamtartenliste der Kriechtiere (Reptilia) Deutschlands. - Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (1).

Weitere Literatur